Jedes Mädchen zählt
Partners of Change e.V. begleitet gemeinsam mit Mosocho Enka Enyia einen nachhaltigen Wandel in ländlichen Regionen Kenias – damit Mädchen unversehrt aufwachsen und ihr Leben in Würde, Sicherheit und Gleichberechtigung gestalten können.
Sie können unsere Arbeit unterstützen, indem Sie aktives Mitglied werden oder eine Spende tätigen. Wir sind für jeden Beitrag dankbar, der zu 100 % in unsere Arbeit vor Ort fließt.

Partners of Change – Gemeinsam das Ende der weiblichen Genitalverstümmelung gestalten
Partners of Change e.V. steht an der Seite von Mädchen, deren Schutz alles verändert. Gemeinsam mit dem kenianischen Projekt Mosocho Enka Enyia begleitet der Verein seit vielen Jahren einen tiefgreifenden Wandel in ländlichen Regionen Kenias. Wo früher Angst und Schmerz den Alltag bestimmten, wachsen heute Wissen, Respekt und Verantwortung. Durch Aufklärung, Bildung und gemeinschaftlichen Zusammenhalt entsteht eine Zukunft, in der Mädchen unversehrt aufwachsen dürfen – getragen von ihren Familien, Dörfern und einer starken Partnerschaft für Würde und Gleichberechtigung.
Der Wert-Zentrierte Ansatz
Im Mittelpunkt steht der Wert-Zentrierte Ansatz, der von Kenianerinnen und Kenianern im ländlichen Raum umgesetzt wird. Er fördert Bewusstsein, Bildung und Respekt – als Grundlage für langfristige Veränderung.
Elemente des Wert-Zentrierten Ansatzes
Seminare · Dialog und Beteiligung · Schulungen · Celebrations
(Zum Vergrößern bitte auf die Bilder klicken)
- Seminare – Bildung ist der Schlüssel zu nachhaltigem Schutz. Mosocho Enka Enyia bildet engagierte Vermittlerinnen und Vermittler aus, die Kindern und Eltern die Bedeutung eines gesunden und unversehrten Körpers vermitteln. Besonders Lehrerinnen und Lehrer werden angesprochen, damit sie den Wert-Zentriertenen Ansatz in die Schulen tragen. Darüber hinaus engagieren sich viele Eltern und Großeltern, die aktiv dazu beitragen möchten, Frieden und gegenseitigen Respekt in Familien und Dorfgemeinschaften zu stärken.
Die Seminare setzen gezielt bei den Ursachen an: Sie richten sich gegen geschlechterbasierte Gewalt und schützen Mädchen nachhaltig vor Verstümmelung. So entsteht Veränderung von innen heraus – getragen von Menschen aus den Gemeinschaften selbst.
- Dialog und Beteiligung – Nachhaltiger Wandel entsteht dort, wo Menschen einbezogen werden. Mosocho Enka Enyia arbeitet eng mit lokalen Gemeinschaften, traditionellen Führungskräften, Schulen und Frauengruppen zusammen, um Bewusstsein zu schaffen und Vertrauen aufzubauen. Gemeinsam setzen sie sich für einen kulturellen Wandel ein, in dem Mädchen und Frauen als gleichwertige und schützenswerte Mitglieder der Gemeinschaft anerkannt werden.
In den Dörfern rufen lokale Führungspersönlichkeiten Eltern im Rahmen von Dorfversammlungen dazu auf, an den Schulungen teilzunehmen. Diese werden jedes Jahr von April bis Dezember von speziell ausgebildeten Vermittlerinnen und Vermittlern durchgeführt. So wird Veränderung direkt dort angestoßen, wo sie am dringendsten gebraucht wird – in den Familien und Dorfgemeinschaften selbst.
- Schulungen – Wissen schafft Schutz und Würde. In dialogisch aufgebauten Schulungen vermittelt Mosocho Enka Enyia grundlegendes Wissen zu sexueller und reproduktiver Gesundheit, Menschenrechten und Gleichberechtigung. Die Angebote richten sich gezielt an die Mütter und Väter der Mädchen. Dies bedeutet einen großen kulturellen Schritt, da viele Eltern zunächst Scham empfinden, wenn es um Darstellungen und Benennungen von Sexualorganen geht. Um einen geschützten Raum zu schaffen, werden Mütter und Väter getrennt geschult.
Schritt für Schritt nähern sie sich den Themen an, lernen mithilfe von Zeichnungen die Funktionen der Organe zu verstehen und sie beim Namen zu nennen. Am Ende der Schulungen stehen gut informierte Eltern, die nicht nur den Wert des Körpers erkennen, sondern auch dessen Unverletzlichkeit und Würde. Vermittelt wird dabei, dass die Körper von Mädchen und Frauen ebenso schützenswert sind wie die von Jungen und Männern und dass sie den gleichen Respekt verdienen.
Ergänzend finden Schulungen für Jungen und junge Männer statt. Auch sie lernen, den Wert eines unversehrten Körpers zu achten und Verantwortung für den Schutz von Mädchen zu übernehmen. So wird ein gemeinsames Werteverständnis in der Gemeinschaft gestärkt.
Die Schulungen finden über mehrere Termine im Jahr statt und setzen auf ein nachhaltiges, selbst getragenes Umdenken innerhalb der Familien. Auch die Mädchen selbst nehmen an Schulungen teil: Sie lernen den Wert ihres Körpers kennen und werden in ihrem Selbstbewusstsein sowie in ihrer Rolle als gleichberechtigte Mitglieder der Gemeinschaft gestärkt. So entstehen neue Werte, die Mädchen dauerhaft schützen und ihre unversehrte Aufnahme in die Gemeinschaft ermöglichen.
- Celebrations – Ein Fest für den Schutz der Mädchen. Anstelle der Beschneidung werden junge Mädchen feierlich und unversehrt in die Gemeinschaft aufgenommen. Diese sogenannten Celebrations sind öffentliche Zeremonien, bei denen Familien und das gesamte Dorf zusammenkommen und ein gemeinsames Versprechen ablegen: Die Mädchen sollen geschützt aufwachsen. Unter Gesang und Tanz ziehen sie in gelben T‑Shirts feierlich ein und erhalten eine Urkunde, in der Mutter und Vater schriftlich bestätigen, dass ihre Tochter unversehrt bleiben wird.
Die Feierlichkeiten werden bewusst vom ganzen Dorf getragen. Lokale Führungspersönlichkeiten halten Ansprachen, die Mädchen selbst ergreifen das Wort und betonen, dass ihr Körper ihnen gehört und geschützt werden muss. Großmütter übernehmen eine besondere Rolle als Hüterinnen dieses Versprechens, singen traditionelle Lieder und tanzen. Laute Musik, gespeist aus einem Verstärker mit Autobatterie, trägt die Botschaft bis in den letzten Winkel des Dorfes und lädt alle zum Mitfeiern ein.
Die Celebrations finden jedes Jahr Anfang Dezember statt – genau zu dem Zeitpunkt, an dem Mädchen früher beschnitten wurden. Heute werden stattdessen Freude, Stolz und Gemeinschaft sichtbar. Selbst ältere, bereits beschnittene Mädchen sind eingeladen und begleiten als Patinnen ein unbeschnittenes Mädchen. Die an den Celebrations teilnehmenden Mädchen sind zwischen fünf und zwölf Jahre alt – jenes Alter, in dem sie früher der Gewalt ausgesetzt waren. Der Ansatz wirkt nachhaltig, weil die gesamte Dorfgemeinschaft Verantwortung übernimmt und aktiv darüber wacht, dass das Versprechen eingehalten wird. Es ist ein Fest unbändiger Freude und ein kraftvolles Zeichen für gelebten Wandel.
- Ganzheitlicher Ansatz – Seminare, Dialog und Beteiligung, Schulungen sowie die feierlichen Celebrations bauen bewusst aufeinander auf. Sie greifen ineinander und sorgen dafür, dass Wissen, Haltung und gemeinschaftliche Verantwortung nachhaltig wachsen. So entsteht Schritt für Schritt ein Wandel, der Mädchen schützt und von der gesamten Dorfgemeinschaft getragen wird. Ermöglicht wird dieser ganzheitliche Ansatz durch die finanzielle Unterstützung von Partners of Change e.V., die diese Arbeit in den ländlichen Regionen langfristig fördert und absichert.
Weibliche Genitalverstümmelung
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ): „Weibliche Genitalverstümmelung, international meist mit dem Begriff „Female Genital Mutilation“ (FGM) bezeichnet, umfasst alle Verfahren, bei denen die äußeren weiblichen Genitalien teilweise oder vollständig entfernt oder aus nichtmedizinischen Gründen auf andere Weise verletzt werden. Weibliche Genitalverstümmelung wird in mehr als 30 Ländern praktiziert.
Nach Schätzungen des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) leben gegenwärtig mindestens 230 Millionen Frauen und Mädchen mit den Folgen weiblicher Genitalverstümmelung. Jedes Jahr sind weitere drei Millionen Mädchen bedroht.“
Unser Auftrag
Im UNICEF-Bericht „The Dynamics of Social Change“ von 2010 wird das Fulda-Mosocho-Projekt als eines der weltweit erfolgreichsten Präventions-Kampagnen gegen weibliche Genitalverstümmelung gelistet. Das von Frauen in Fulda unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Muthgard Hinkelmann-Toewe initiierte Projekt startete in der Mosocho-Region in Kenia südlich des Viktoria-Sees. Die Kisii sind eine Ethnie, in der zum Startpunkt des Projekts 98 % der Mädchen verstümmelt wurden.
Das Projekt begann im Jahr 2000 und schon im Dezember 2004 zogen 2.000 unbeschnittene Mädchen in ein Stadion ein und wurden mit einer Urkunde und einem gelben T-Shirt zu vollwertigen Mitgliedern der Kisii ernannt.
Heute sind 80 % der jungen Mädchen in der Region Mosocho geschützt, in den Nachbarregionen Kisii South und Marani soll die Beschneidungsrate ebenfalls gesenkt werden, wobei Mosocho als Vorbild fungiert.
Gut ausgebildete Aktive vor Ort sorgen in den Regionen dafür, dass es Seminare für Entscheidungsträger und alternative Zeremonien zur Einführung in die Gesellschaft für die Mädchen gibt. Der Dezember, früher Monat der Beschneidung, ist heute der Monat, in dem die jungen Mädchen eine Urkunde bekommen, mit der ihre Unversehrtheit bestätigt wird. Das ganze Unternehmen gelingt nur dann, wenn zentrale männliche Entscheidungsträger mit im Boot sind, die sich für die Unversehrtheit der Mädchen einsetzen.
Der Unicef-Bericht „The Dynamics of Social Change“ 2010 (PDF) ist hier als Download in englischer Sprache verfügbar (Seiten 45-49).
Das haben wir bereits erreicht
Mädchen gerettet
Beschneidungsrate gesenkt
Einsatzkräfte vor Ort
Wussten Sie schon?



